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Tipps für bessere Bergfotos

Tipps für bessere Bergfotos

Tipps für bessere Bergfotos

Ich bin seit knapp 10 Jahren in den Bergen unterwegs und meine Kamera war stets mein treuer Begleiter und ich habe sie bei jeder Bergtour mitgehabt. Heute möchte ich gerne meine Erfahrung in der Bergfotografie mit euch teilen und euch meine Tipps für gelungene Bergfotos vorstellen.

Tipp 1: Fotografische Grundkenntnisse

Zwar sind die Automatikmodi moderner digitaler Kameras wirklich schon sehr ausgereift, aber dennoch werdet ihr ohne ein solides Wissen in der Fotografie ein Bergfoto nie so hinbekommen wie ihr es möchtet. Eine Sprache spricht man ja auch nicht ohne Vokabeln und so ähnlich verhält es sich mit den kreativen Werkzeugen der Fotografie, der Blende, der Belichtungszeit und der ISO-Empfindlichkeit. Ich werde diese Werkzeuge hier nicht erklären, aber es gibt zahlreiche grundlegende Bücher für Anfänger und auch im Web findet ihr eine Vielzahl von Quellen, die euch den Einstieg erleichtern (zB. hier).

Das Spiel mit diesen Elementen solltet ihr beherrschen, denn nur so könnt ihr die volle Kreativität in der Bergfotografie ausleben. Ebenso solltet ihr eure Kamera in und auswendig beherrschen. Oft bieten sich stimmungsvolle Motive am Berg nur für eine sehr kurze Zeit. Es wäre schade, wenn ihr solche Momente nicht einfangen könnt, weil ihr eure Kamera nicht schnell genug bedienen könnt.

Typischerweise wird in der Bergfotografie wie in der Landschaftsfotografie eher mit kleinen Blenden fotografiert, um eine große Schärfentiefe zu erzielen und die gesamte Berglandschaft möglichst scharf darzustellen. Macht ihr hingegen Portraits am Berg, dann werdet ihr eher mit großen Blenden fotografieren, um das Motiv vom Hintergrund freizustellen

Tipp 2: Die richtige Ausrüstung für Bergfotografie

Über dieses Thema könnte man Bände schreiben und ich denke jeder Fotograf hat hier andere Präferenzen. Gerade in der Bergfotografie spielt Kompaktheit eine wichtige Rolle, denn niemand möchte auf einer langen oder kräfteraubenden Bergtour ein schweres Equipment mitschleppen.

Bergfotografie heißt aber nicht unbedingt, dass man immer auf einen Gipfel steigen muss, sondern man kann auch von bestimmten Orten, die in einem nicht allzu langen Zustieg erreichbar sind, tolle und stimmungsvolle Fotos machen. Hier kann man dann auch schweres Equipment mitnehmen. Es muss nicht die teuerste Ausrüstung sein, kauft euch eine solide Kamera. Kann auch ruhig ein Vorgängermodell sein, sofern der Fotoapparat alle wichtige Funktionen hat.

Diese sind meiner Meinung nach:

  • Gute Bildqualität (Kompaktkamera mit einem 1 Zoll Sensor oder DSLR oder Systemkamera mit einem APS-C oder Vollformat Sensor)
  • Guter Brennweitenbereich (24-70mm bei einer Kompaktkamera, bei Systemen mit Wechselobjektiven ist man natürlich flexibel, hier würde ich einen Brennweitenbereich von 12-200mm abdecken)
  • Möglichkeit im Rohdatenformat RAW zu fotografieren 
  • Kompaktheit und möglichst geringes Gewicht
  • Gute Bedienbarkeit

Mein Tipp (Stand 2016): Sony DSC-RX 100 (MK I-IV) als Kompakte, Sony Alpha 6000 als Systemkamera, Canon EOS 6D oder Sony Alpha 7 oder entsprechende Nikon Modelle als professionelles Equipment (mit guten Linsen sehr teuer, nichts für schwere Bergtouren).

Es gibt natürlich noch zusätzliches Equipment, das in der Bergfotografie Sinn macht. Ein leichtes Reisestativ erweitert eure fotografischen Möglichkeiten, kann aber aufgrund des Gewichtes nicht auf jeder Tour mitgenommen werden. Ebenso verwende ich gelegentlich einen Graufilter für Langzeitbelichtungen.

Tipp 3: Bildgestaltung

Die Bildgestaltung ist eines der wichtigsten Elemente in der Fotografie. Bei der Bildgestaltung entscheidet sich, ob das Bild in Ordnung oder atemberaubend ist! Der Positionierung eures Motives im Bild solltet ihr große Beachtung schenken. Es bietet sich oft an, Bergmotive in die Mitte des Fotos zu platzieren. Das ist ja auch in Ordnung, vor allem wenn man eine Symmetrie betonen will. Dennoch könnt ihr mit der Anordnung des Hauptmotivs experimentieren.

Verwendet die sogenannten Drittelregel zur Positionierung interessanter Objekte. Teilt den Bildschirm eurer Kompaktkamera oder den Sucher eurer Spiegelreflexkamera gedanklich mit jeweils zwei horizontal und vertikal verlaufende Linien. Es entstehen dadurch jeweils neun gleichmäßig große Bereiche. Bei vielen Kameras lässt sich dieser Raster tatsächlich am Bildschirm einblenden (…im Handbuch der Kamera nachsehen). Der Himmel sollte beispielsweise nicht mehr als ein Drittel des Bildes einnehmen, verfahrt ebenso mit dem Vordergrund und den Bereichen in der Mitte des Bildes. Setzt das Hauptmotiv (wie die Hütte im Bild) in die Schnittpunkte der horizontalen und vertikalen Linien. Ihr werdet sehen wie harmonisch solche Fotos wirken.

Goldener Schnitt in der Bergfotografie

Goldener Schnitt in der Bergfotografie

Um die räumliche Tiefe auf eurem Foto zu verstärken, könnt ihr außerdem Bezugspunkte (wie den Weg rechts unten auf dem Bild) in das Bild einbauen. Fast jede Berglandschaft bietet bei genauerem Hinsehen solche Objekte (zB. Hütten, Steinerne Mandln, Wegkreuzungen,…).

Hier dient der Weg mit den Wanderern als Bezugspunkt

Hier dient der Weg mit den Wanderern als Bezugspunkt

Ebenso können Bereiche mit unterschiedlichen Helligkeiten und Farbtönen, die gekonnt in den unterschiedlichen Bereichen des Bildes platziert werden, die Weitläufigkeit einer Landschaft verstärken und so stimmungsvolle Bergfotos entstehen lassen.

Eiger-Mönch-Jungfrau: Räumliche Tiefe durch Kontraste

Eiger-Mönch-Jungfrau: Räumliche Tiefe durch Kontraste

Dramatik am Gesäuseeingang

Auch hier entsteht eine schöne Tiefenwirkung durch den grau-grün Kontrast


Tipp 4: Das Spiel mit den Lichtstimmungen am Berg

Der Grund warum ich so gerne in den Bergen fotografiere ist, dass sich bei jedem Wetter und bei jeder Lichtstimmung unglaubliche Motive bieten. Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge erzeugen in den Bergen wunderschöne Lichtspiele. Das warme Licht am späten Nachmittag eignet sich besonders gut für harmonische Bergpanoramen. Schlechtwetter mit bedrohlichen Wolken geben markanten Peaks Dramatik. An bewölkten Tagen wirkt diffuses Licht besonders gut für Portraitaufnahmen. Nebel umhüllt Motive mit etwas Geheimnisvollen.

Warmes Licht am Nachmittag

Warmes Licht am Nachmittag

Abenstimmung

Dramatische Wolkenstimmung an der Königspitze am Abend

Morgenstimmung

Dazu im Vergleich : Sanftes Morgenlicht an der Königspitze


Tipp 5: Das RAW-Format

Fotografiert immer im RAW-Format! Dieses Rohdatenformat eurer Kamera wird digital so gut wie gar nicht bearbeitet. Euch stehen in der digitalen Bildbearbeitung am Rechner später alle Möglichkeiten zur Verfügung. Ihr könnt aus einem Foto, das im RAW-Format geschossen wurde, viel mehr herausholen als aus dem JPEG-Format. Ebenso lassen sich kleinere Fehler, die während der Aufnahme passieren, durch die RAW-Bearbeitung kompensieren. Verwendet eine Kamera, die das RAW-Format unterstützt und kauft euch eine große Speicherkarte für die Kamera und einige mobile Festplatten für den PC oder MAC, denn RAW-Daten benötigen viel Speicherplatz.

Ortlergruppe

Schwarz-Weiß Bildbearbeitung in Lightroom – in dieser Qualität nur im RAW-Format möglich


Tipp 6: Bergpanoramen

Ich bin ein großer Fan von Bergpanoramen. Weitläufige Berglandschaften sind geradezu prädestiniert für solche Aufnahmen. Ich mache während meiner Bergtouren zahlreiche Panoramafotos. Ich verwende dazu meist eine starke Weitwinkel-Einstellung und entweder den manuellen Modus oder Zeitautomatikmodus. Wichtig ist, dass alle Einzelbilder eines Panoramabildes gleich belichtet werden und mit derselben Blende (am besten f/9 und f/11) geschossen werden, sonst entstehen euch beim Zusammensetzen der Fotos hellere oder dünklere Farbflecken im Bild, die gerade im Bereich des Himmels sehr störend wirken. Für das Zusammensetzen der Fotos zu einem Panoramabild gibt es zahlreiche Programme. Ich verwende in der Regel Adobe Lightroom CC. In der aktuellen Version gibt es eine Funktion, in der ein Panorama im RAW-Format direkt in Lightroom ensteht, so müsst ihr das Bild nicht in ein anderes Dateiformat während des Zusammensetzen umwandeln und ihr verliert keine Bildqualität. Zum Thema „Bergpanorama fotografieren und zusammensetzen“ gibt es hier einen umfangreichen Artikel.

Aus 13 Einzelfotos in Lightroom zusammengesetztes Bergpanorama der Schladminger Tauern

Aus 13 Einzelfotos in Lightroom zusammengesetztes Bergpanorama der Schladminger Tauern

360 Grad Panorama mit Dachsteinblick vom Rittisberg in der Ramsau

360 Grad Panorama mit Dachsteinblick vom Rittisberg in der Ramsau

Was ich auch sehr gerne mache ist die Gipfel eines weitläufigen Bergpanoramas zu beschriften. Hier erhält man in Photoshop wirklich tolle Ergebnisse. Hier ist ein Beispiel von einem beschrifteten Bergpanorama der Glockernergruppe, das ich vom Gipfel des Hohen Sonnblick früh am Morgen aufgenommen habe. Wie ihr euer Gipfelpanorama professional beschriften könnt, findet ihr hier

#1 - Gipfel der Glockergruppe in den ersten Morgenstrahlen, Ausblick vom Hohen Sonnblick

Bergpanorama der Glockergruppe mit beschrifteten Gipfeln


Tipp 7: Tele am Berg

Obwohl Teleobjektive manchmal groß und sperrig sind, habe ich meist eines dabei, außer ich mache eine wirklich lange und schwierige Tour! Mit einem Teleobjektiv hat man am Berg einfach zusätzliche fotografische Möglichkeiten. Mit einem ordentlichen Teleobjektiv enstehen Aufnahmen, die euch sonst entgehen würden. Ihr könnt beispielsweise weit entfernte Gipfel abbilden oder auch Details von näher gelegenen Zielen (einem Kletterer in der Wand oder einem Paragleiter) fotografieren. Hier sind ein paar Fotos, die ich ohne meinem Tele niemals hätte machen können. Es muss ja nicht unbedingt die teuerste und lichtstärkste Linse sein, denn diese haben oft ein recht hohe Gewicht. Kauft euch eine solide Linse und (beispielsweise das sehr gute Sony SEL55210 oder das Canon EF-S 55-250mm) und habt diese immer dabei, wenn es euch möglich ist!

Bergfotografie_Workshop_Tele_am_Berg

Paragleiter an der Eiger Nordwand, unmöglich ohne Teleobjektiv

ortlergruppe-teleaufnahme

Teleaufnahme (130mm) der Ortlergruppe vom Gipfel des Similaun

Panorama erstellt mit einem kompakten 55-210mm Teleobjektiv

Panorama erstellt mit einem kompakten 55-210mm Teleobjektiv


Tipp 8: Digitale Bildbearbeitung

Bei der modernen Digitalfotografie entstehen aus der Kamera Rohdaten, die ihr dann mit speziellen Programmen digital nachbearbeitet. Ich kann wirklich empfehlen, Adobe Lightroom und Adobe Photoshop zu verwenden. 90% der Arbeit findet in Lightroom statt, wo auch die Fotos am Rechner organisiert werden. Das Programm ist wirklich sehr mächtig und holt viel aus den RAW-Daten herraus. Es ist auch meiner Meinung nach nicht schwierig zu erlernen, wenn man sich anfangs ein wenig Zeit nimmt. Es gibt unzählige You-Tube Tutorials für Lightroom. In der neuesten Version gibt es auch eine wirklich brauchbare Panorama- und HDR-Funktion, die ich sehr gerne verwende. Photoshop verwende ich ergänzend! Für einen nicht allzu hohen monatlichen Beitrag kann man die Adobe Creative Cloud abonnieren und hat eigentlich schon alles was man braucht.

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