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Bergtour Böses Weibl (3119 m) – Genussdreitausender in der Schobergruppe

Böses Weibl - traumhaftes Tourenziel in der Schobergruppe

Böses Weibl (3119 m) – traumhaftes Tourenziel in der Schobergruppe


Seit einem Jahr auf keinem Dreitausender

Seit meiner Überschreitung von Similaun und Hinterer Schwärze, bei der ich im Abstieg einen benahe fatalen Steinschlag (meinen Tourenbericht findet ihr hier) miterlebt habe, ist es bei mir um die hohen Berge in Österreich etwas ruhiger geworden. Ich war letztes Jahr nach Touren auf den Hohen Sonnblick, die Zufallspitze und Cevedale, den Ortler und Similaun und Hintere Schwärze ein wenig gesättigt von höheren Bergen. Nach fast einem Jahr Bergentzug hatte ich jetzt wieder Lust auf einen Dreitausender.

Es muss ja nicht immer der schwierigste Dreitausender sein. Wenn man schon auf einigen hohen Bergen in den Alpen gestanden ist, wird man genügsamer. So geht es mir zumindest im August 2017. Ich habe Urlaub und bin in der Gegend um Kals am Großglockner in Osttirol stationiert. Mir ist es schon mal besser gegangen. Ich habe gerade eine schwierige Lebenssituation und mache einfach das, was ich gerne tue, nämlich fotografieren und bergsteigen.

Die Schobergruppe ist eine Untergruppe der Hohen Tauern und erhebt sich südlich der weitaus bekannteren Glocknergruppe. In der Schobergruppe stehen eine beachtliche Anzahl an Dreitausendern, nämlich insgesamt 53. Ebenso ist die Berglandschaft für ihre zahlreichen Bergseen bekannt. Eine lohnenswerte Region der Hohen Tauern, die ihr unbedingt einmal besuchen solltet.

Böses Weibl – ein lohnenswertes Tourenziel in der Schobergruppe

Mein heutiges Tourenziel ist ein Böses Weibl, ein beliebtes Tourenziel in der Schobergruppe, das sich vom Lucknerhaus oberhalb von Kals am Großglockner recht einfach besteigen lässt. Die Tour dauert ca. 7-8 Stunden, ist also problemlos als Tagestour machbar, sofern das Wetter es zulässt. Es ist ein warmer Augusttag und nachmittags steigt ja bekanntlich die Gewitterwahrscheinlichkeit, also starte ich früh am Morgen. Gegen 6.00 Uhr erreiche ich über die Kalser Glocknerstraße (mautpflichig) das Lucknerhaus. In der letzten Kehre vor dem Ende der Straße stelle ich mein Auto ab, denn genau hier beginnt die Tour. Der Weg zum Bösen Weibl ist mit einem Wegkreuz gekennzeichnet.

Es ist nicht mehr dunkel und über eine Forststraße erreiche ich in ca. 15 min die Niggl Alm, wo es etwas steiler bergauf geht. Die Bergwelten hinter mir zeigen wunderschöne Wolkenspiele im frühen Morgenlicht. Über einen Wiesenhang passiere ich eine weitere Hütte. Es wird allmählich heller und die schöne Landschaft, in der ich mich nun seit fast einer Stunde befinde, zeigt sich mehr und mehr in ihrer prachtvollen Farbe. Der Weg verläuft hier wenig steil entlang eines schroffen Wiesenhanges. Unterhalb des Wanderpfades höre ich das Rauschen des Peischlachbach.

 

Nach einer weiteren Stunde zeigt sich zum ersten Mal das heute Bergziel, die elegante Felspyramide des Bösen Weibl. Ich erreiche das Peischlach Törl, einen markanten Wegpunkt. Hier steht eine kleine Hütte hinter der sich eine weitläufige Wiesenlandschaft ausbreitet. Zeit für eine kurze Rast, denn ich habe heute noch nichts gegessen und getrunken. Ein älteres Ehepaar wandert an mir vorbei. Wir plaudern kurz und haben das selbe Ziel. Gut zu wissen, dass ich doch nicht ganz alleine bin.

Der Weg verläuft nun Richtung Süden und wird etwas steiler. Nach einer Holzbrücke machen sich die ersten Vorboten an Geröll, die sich in die Wiesenlandschaft mischen, bemerkbar. Der Weg ist aber bis jetzt sehr gut erkennbar. Zur Sichheit habe ich, wie immer, einen GPX-Track auf meine Uhr geladen. Ich schreite voran. In der Ferne erkenne ich die Gipfel der benachbarten Gruppen der Hohen Tauern, wie den Großvenediger. Auch der Großglockner macht sich nun bemerkbar, ist aber in den frühen Morgenstunden noch vollständig in Nebel gehüllt. 

 

Es wird ein wenig steiler und nach einem Wegkreuz steige ich einen Kamm auf. Hier befinde ich mich bereits vollständig im Blockgestein, das aber immer wieder durch einen gut markieren Pfand durchzogen ist. Der Gipfelaufbau des Bösen Weibl ist bereits nahe. Über die Nordwestseite steige ich Richtung Gipfel auf. Die Wegfindung im Blockgestein ist nun nicht mehr ganz einfach, aber wenn man genau hinsieht, schlängelt sich ein unscheinbarer Pfad durch das Gestein.

Ich erreiche einen Sattel und wandere über große Felsblöcke Richtung Gipfel. Kurz vor dem Ziel wird es etwas luftiger, aber nie wirklich ausgesetzt, und ich stehe nach exakt 3:30 Stunden Aufstiegszeit am Gipfel des Bösen Weibl. Richtung Nordosten erhebt sich majestätisch der Großglockner, der leider immer noch in Nebel gehüllt ist. In südlicher Richtung erscheinen die Dreitausender der Schobergruppe Hochschober (3242 m), Glödis (3206 m) und Roter Knopf (3281 m). Das Böse Weibl ist ein fantastischer Aussichtsberg.

 

Ich bin glücklich, was in den letzten Tagen nicht so oft vorkam. Die Berge geben mir einfach Ruhe und Geborgenheit! Ich mache ein paar Gipfelfotos für ein paar Bergkameraden, die sich zum gleichen Zeitpunkt am Gipfel befinden.

 
Der Großglockner endlich wolkenfrei

Ich steige über den Aufstiegsweg ab. Auf ca. 2900 m sehe ich, dass allmählich die Wolkenfetzen, die der Glockner wie ein Magnet anzieht, langsam verschwinden. Mit freier Sicht auf den höchsten Berg Österreichs habe ich heute nicht mehr gerechnet. Ich setze mich auf einen Stein, schraube mein Teleobjektiv auf meine Kamera und warte. Das Wetter ist gut und ich habe endlich mal ein wenig Zeit. Es dauert tatsächlich eine gute Stunde, bis sich der Großglockner nun endlich wolkenfrei zeigt. Ich schieße zahlreiche Fotos. Mehr brauche ich nicht für einen perfekten Tag.

Gipfelpanorama Böses Weibl

Gipfelpanorama Böses Weibl

Ich gehe weiter, es ist ein wirklich heißer Tag. Beim Abstieg sehe ich noch ein paar Murmeltiere und entlang des Wanderweges tummeln sich zahlreiche Schmetterlinge. So schön sind die Bergwelten der Hohen Tauern.

Endlich aus den Wolken: Großglockner Südwestseite

Endlich aus den Wolken: Großglockner Südwestseite

Gegen 14.00 Uhr bin ich zurück am Lucknerhaus. Böses Weibl…ist wohl einer der schönsten Wanderungen, die ich jemals gemacht habe. Landschaftlich unbeschreiblich beeindruckend, nie wirklich schwierig und der Weg ist eigentlich nie wirklich steil. Ein hohes Gipfelziel zum Genießen und zum Seele baumeln lassen. Sehr empfehlenswert!

 

Tourendaten Böses Weibl

Distanz: 13,3 km
Höhendifferenz: 1300 m
Gesamtzeit: 7 Stunden

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