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Sony Alpha 6000 im Test beim Wandern und Bergsteigen

Sony Alpha 6000, copyright Sony

Sony Alpha 6000 (copyright Sony)

Eigentlich hatte ich gar nicht vor, mir eine Systemkamera zu kaufen. Meine Gründe waren, dass die Bildqualität nicht so gut sein kann wie bei einer digitalen Spiegelreflexkamera, es zu wenig optisch wirklich gute Wechselobjektive gab und dass die Kamera beim Wandern und Bergsteigen immer noch zu groß für die Hosentasche ist und im Rucksack kann ich dann gleich eine kleine Spiegelreflexkamera mitnehmen und bräuchte keine Systemkamera.

Dennoch habe ich mir die Evolution der Systenkameras in den letzten Jahren genau angesehen und habe mich vor ca. einem halben Jahr entschlossen, beim Wandern und Bergsteigen auf die Sony Alpha 6000 umzusteigen und meine Canon EOS 6D daheimzulassen. Ich habe die Sony Alpha 6000 im letzten halben Jahr intensiv beim Wandern und Bergsteigen getestet.

Warum ich den Wechsel nie bereut habe und welche tollen Features die Sony Alpha 6000 zu einer perfekten Outdoor-Kamera macht möchte ich euch nun hier näher bringen.

Kompaktheit

Die Sony Alpha 6000 besitzt, wie viele DSLR-Kameras im semi-professionelen Bereich, einen Sensor im APS-C Format, jedoch ist – typisch für Systemkameras – kein Spiegel verbaut. Dadurch ist die Kamera deutlich kompakter als eine Spiegelreflexkamera. Dementsprechend sind natürlich die Objektive kleiner und leichter. Bei der Bildqualität muss man aber keine Abstriche machen (dazu später mehr). Im folgenden Foto seht ihr den Größenunterschied zur Canon 6D. Klar gibt es kleinere DSLR-Kameras als die 6D, aber für mich ist dieser Unterschied wichtig gewesen!

Großenunterschied Canon 6D vs Sony Alpha 6000

Großenunterschied Canon 6D vs. Sony Alpha 6000

Größenunterschied meiner häufig verwendeten Weitwinkelobjektive: Canon  EF 17-40 L vs Sony SEL 1010

Größenunterschied meiner häufig verwendeten Weitwinkelobjektive: Canon EF 17-40 L vs Sony SEL-1018

Die Sony Alpha 6000 hat einen sehr ergonomischen Griff und lässt sich problemlos auch für eine längere Zeit in der Hand tragen. Ebenso lässt sie sich gut bedienen. Das geringe Gewicht der Kamera und der Objektive spürt man deutlich während einer langen Wanderung!

Die Kamera lässt sich mit dem passenden Equipment sehr gut am Schulterträger des Rucksacks befestigen. Dadurch ist sie immer griffbereit. Eine DSLR-Kamera wäre für diese Art der Befestigung deutlich zu schwer und unangenehm zu tragen.

Sony Alpha 6000 Befestigung am Schultergurt

Sony Alpha 6000 Befestigung am Schultergurt


Bildqualität und Objektive

Die Bildqualität der Sony Alpha 6000 ist – die Benutzung guter Linsen vorausgesetzt – wirklich erstklassig. Es werden E-mount kompatible Objektive benötigt. Der APS-C Sensor mit 24 Megapixel liefert scharfe und rauscharme Bilder im RAW-Format mit einem wirklichen guten dynamischen Tonwertumfang.

Mit der Canon 6D darf man die Bilder nicht vergleichen, da die 6D natürlich eine Vollformatkamera ist, aber die RAWs der Sony Alpha 6000 sind dennoch beeindruckend und man kann in Lightroom oder einem anderen RAW-Entwicklungstool sehr viel aus den Fotos herausholen (siehe Bilder unten).

Natürlich braucht man für scharfe und detailreiche Fotos gute Linsen und diese gibt es definitiv für diese Kamera, wenn auch nicht im selben Umfang wie für Canon oder Nikon DSLR-Kameras. 

Sony SEL-55210 F4,5-6,3 OSS
Das mit der Sony Alpha 6000 mitgelieferte Normalobjektiv Sony SEL-P1650 (16-50mm) ist meiner Meinung nach für ambitionierte Qualitätsansprüche nicht zu gebrauchen. Ein weiteres Kitobjektiv, das man aber auch separat erwerben kann, nämlich das Sony SEL55210, Tele-Zoom-Objektiv (55-210 mm, F4,5-6,3 OSS) ist hingegen eine tolle Linse.

Allzu viel Lichtstärke darf man sich in diesem Preissegment zwar nicht erwarten, dennoch ist das SEL-55210 eine gut ausgestattete Linse mit Bildstabilisator und treffsicherem und schnellem Autofokus, die ich schon öfters auf einer Bergtour mitgehabt habe. Ein Teleobjektiv sollte man in den Bergen mitnehmen, wie ich in meinen Tipps für bessere Bergfotos empfohlen habe. Schärfe und Details passen bei diesem Objektiv wirklich ausnahmelos. 

Hier findet ihr ein Sony SEL-55210 Beispielfoto von den Ortleralpen.


Sony SEL-1018 F4 OSS und Sony SEL-1670 F4,0 Zeiss

Ich besitze noch zwei weitere Linsen, die ich dem Outdoorfotografen empfehlen möchte, nämlich das Sony SEL-1018 F4 OSS (10-18mm) Super-Weitwinkel-Zoom und das Sony Zeiss SEL-1018 F4,0 Vario Tessar (16-70mm) Normalobjektiv. Beides sind Premium-Linsen im höheren Preissegment mit einer erhabenen Bildqualität.  

Mit dem Sony SEL-1018 mache ich unterwegs die meisten Fotos. Wirklich eine gelungene Linse! Hier gleich wieder ein Beispielfoto.


Das SEL-1670 ist eine tolles Allroundobjektiv, das mit 16mm Weitwinkelbrennweite auch am Berg zum Abbilden weitläufiger Landschaften eine tolle Figur macht. Ich verwende es am Berg zwar etwas seltener, da ich immer auch die hosentaschentaugliche Sony DSC-RX100 dabei habe und sich die Brennweiten der Sony DSC-RX100 mit dem SEL-1670 überschneiden, aber a
ls Normalobjektiv sollte es an der Sony Alpha 6000 nicht fehlen.

Die Bildqualität  des Sony SEL-1670 ist ein Hammer, aber seht selbst! 


Zusammen mit dem SEL-55210 deckt ihr mit diesen drei Linsen einen Brennweitenbereich von 10 bis 210mm ab, was für die Landschafts- und Outdoorfotografie mehr als ausreichend sein sollte.

Für mehr Tele müsstet ihr dann ordentlich in die Tasche greifen. Das Sony SEL-70300 (70-300mm), das momentan längste Teleobjektiv für diese Kamera, kostet derzeit (Stand 2016) 1400 Euro.

Fokus-Peaking, Autofokus-System und Geschwindigkeit

Die Sony Alpha 6000 hat ein paar wirklich coole Features, die speziell für den Outdoor- und Landschaftsfotografen besonders interessant sind.

Fokus-Peaking ist eine Funktion der Kamera, bei der die scharf abgebildeten Bereiche im Sucher mit einer vorausgewählten Farbe dargestellt werden. Durch das Fokus-Peaking kann sehr einfach und effektiv manuell fokussiert werden und man bekommt im Sucher sofort einen Eindruck, welche Bereiche später im Bild scharf abgebildet werden. Gerade bei Landschaftsaufnahmen, die eine besonders große Schärfentiefe haben sollen, ist das eine extrem hilfreiche Funktion. Zusätzlich gibt es eine Lupenfunktion, mit der man während des manuellen Scharfstellens exakt fokkusieren kann.

Außerdem funktioniert das Fokus-Peaking der Sony Alpha 6000 – einen passenden Adapter vorausgesetzt – auch mit Fremdobjektiven (z.B. Canon EF Objektive). Das ist sehr praktisch, vor allem wenn der Autofokus des Fremdherstellers von der Sony nicht unterstützt wird.

Sony Alpha 6000 Fokus Peaking

Sony Alpha 6000 Fokus Peaking

Ein weiteres tolles Feature der Sony Alpha 6000 ist das außergewöhnliche Autofokus-System und der wirklich extrem schnelle Serienbildmodus. Die Kamera besitzt ein sehr komplexes und effektives System zum Fotografieren bewegter Objekte, das zwar eine gewisse Einarbeitungszeit benötigt, dann aber atemberaubende Ergebnisse erzielen kann, die ansonsten nur mit teuren Profikameras möglich sind, die um einiges mehr kosten. Hier findet ihr ein Video zum Autofokussystem der Sony Alpha 6000. 

Elektronischer Sucher

Die Sony Alpha 6000 besitzt einen elektronischen Sucher, der Outdoorfotografen von großem Nutzen sein kann. Die Helligkeit des Suchers ist regelbar, somit hat man in jeder Lichtsituation am Berg ein optimales Sucherbild. Die Größe des Suchers ist für die Ermittlung des optimalen Bildausschnitts absolut ausreichend.

Toll ist auch, dass man im Sucherbild verschiedene Displayelemente, wie zum Beispiel das Histogramm, einblenden kann, somit hat man eine Echtzeitkontrolle der Tonwerte direkt im Sucherbild. Über- oder unterbelichtete Fotos gehören somit der Vergangenheit an. Der Sucher besitzt zusätzlich einen Sensor, der das Bild im Sucher aktiviert, sobald man durch den Sucher schaut!

 

Nur wenig Negatives

Eines gleich vorweg – man kann eigentlich nicht viel Negatives über die Sony Alpha 6000 berichten. Dennoch möchte ich auf ein paar kleinere Schwachstellen der Kamera eingehen. Zunächst solltet ihr immer einen Ersatzakku bei euch haben, denn ein voll aufgeladener Akku hält nicht besonders lange. 200-300 Fotos kann man aber schon schießen!

Der eingebaute Blitz in der Kamera ist nicht wirklich zu gebrauchen. Er ist schwach und auch nicht ganz vorteilhaft verbaut. Verwendet man eine Sonnenblende, kann diese zur Abschattung des Blitzes führen, was man dann natürlich im Foto sieht. Ein Blitzschuh für einen Aufsteckblitz ist aber vorhanden.

Der Monitor ist leider nur nach oben und unten schwenkbar, leider nicht seitlich, was die Nutzung dieses ansich sehr hilfreichen Features einschränkt. Das waren aber auch schon die größten Kritikpunkte der Sony Alpha 6000. Viel ist es wie gesagt nicht!

Preise Sony Alpha 6000 + Objektive

Bei der modernen und ausgeklügelten Technik der Sony Alpha 6000 würde man glauben, dass die Kamera ziemlich teuer sein muss, oder? Ist aber gottseidank nicht so. Der Preis liegt im Rahmen von Einsteiger- bis Mittelklasse DSLR Kameras. Es gibt schon ein Nachfolgemodell, die Sony Alpha 6300, die um einiges teurer ist. Meiner Meinung nach lohnt es sich nicht die Sony Alpha 6300 anzuschaffen, denn so viele neue und bessere Features hat sie nicht. Das Geld würd ich eher in die Linsen stecken.

Den aktuellen Preis der Sony Alpha 6000 ohne Objektiv findet ihr hier. Kauft euch nicht das SEL-P1650 Kitobjektiv dazu, ihr werdet mit dieser Linse nicht glücklich werden. Ich kann wie gesagt das Sony SEL55210 absolut empfehlen, es ist ein gute und nicht teure Linse. Klick auf die Links, um die aktuellen Preise des Sony SEL-1018 Super-Weitwinkel-Zoom und das SEL-1670 von Zeiss zu erfahren. Das sind natürlich Premiumlinsen, die teuer sind, dafür bekommt man eine Bildqualität, die wirklich perfekt ist.

Das sind natürlich stolze Preise! Ihr müsst aber bedenken, dass man solche Linsen jahrzehntelang hat und auch professionelle L-Linsen von Canon sind nicht billig. Die Bildqualität dieser zwei Sony Linsen ist aber auf jeden Fall mit den L-Linsen von Canon vergleichbar!

Fazit

Seitdem ich die Sony Alpha 6000 besitze hat sich meine Berg- und Outdoorfotografie verändert. Ich schleppe weniger Gewicht mit mir herum, ohne auf eine professionelle Bildqualität verzichten zu müssen. Da ich sie meist direkt bei mir am Körper trage, mache ich nun in Situationen Fotos, in denen ich die Spiegelreflexkamera einfach im Rucksack gelassen hätte.

Ich habe die Sony Alpha 6000 bei langen und anstrengenden Touren wie auf den Hohen Sonnblick, den Ortler und der 12 Stunden-Überschreitung von Similaun und Hintere Schwärze mitgehabt.

Das SEL-1018 ist mein „Immerdrauf“ Objektiv in den Bergen und das SEL-55210 hab ich im Rücksack dabei. Mit der zusätzlichen Sony DSC-RX100 in der Hosentasche decke ich einen Brennweitenbereich von 10-210mm ab und bin dadurch extrem flexibel.

Würde ich noch mein Canon Equipment verwenden (Canon EOS 6D + zwei L-Linsen) würde ich locker 2-3kg mehr an Fotoequipment mitschleppen, was bei langen Touren einfach nicht mehr machbar ist. Außerdem nimmt das Zeug vom Volumen her im Rucksack viel mehr Platz weg. Die Sony Alpha 6000 ist durch die Befestigung am Rucksackträger immer griffbereit, nur wenn ich klettern muss, packe ich sie weg. Da ich die Kamera nicht aus dem Rucksack herausnehmen muss, mache ich nun Fotos, die ich früher nicht gemacht habe!

Ich möchte die Sony Alpha 6000 beim Wandern und Bergsteigen nicht mehr missen und lasse mein schweres Canon Equipment nun fast immer zuhause. 

Hier sind noch ein paar (bearbeitete) Beispielfotos inkl. Aufnahmedaten, die ich mit der Sony Alpha 6000 geschossen habe. 

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